Männerhand mit Smartphone

Was die Fuhrparkbranche 2021 bewegen wird

Das Jahr 2020 hat auch in der Fuhrparkbranche tiefe Spuren hinterlassen und große Veränderungen gefordert, die auch noch weit in dieses Jahr und darüber hinaus spürbar sein werden. Was geht? Was bleibt? Das Brennglas Corona hat viele neue Fragen und Herausforderungen aufgeworfen, die es nun zu lösen gilt. Welche Themen werden in diesem Jahr die Fuhrparkbranche bewegen? Hans-Joachim Guth, Geschäftsführer bei Carano Software Solutions, eines der führenden deutschen Unternehmen für digitale Fuhrparklösungen, gibt einen Ausblick auf die in diesem Jahr dominierenden Themen in der Fuhrparkbranche.

2020 war in weiten Teilen ein Kraftakt, das hat auch die Fuhrparkbranche schmerzlich zu spüren bekommen. Aufgrund des Lockdowns musste plötzlich ein Großteil der Unternehmen Ihre Mitarbeiter ins Homeoffice schicken, Produktionsstätten wurden heruntergefahren, Dienstreisen mussten abgesagt werden und die Fahrzeuge in den Betrieben standen über Wochen still. Dennoch lässt sich abschließend sagen, dass das Flottensegment zwar mit Einbußen aus dem vorangegangenen Jahr herausgegangen ist, sich aber im Vergleich zur gesamten Automobilbranche, bald wieder erholen wird. Dieser zu erwartende Aufschwung soll jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Flottenmarkt vor tiefgreifenden Umbrüchen steht, einige davon sind thematische, andere wiederum pragmatischer Natur.

Hans-Joachim Guth

„Die Corona-Krise hat gezeigt, dass das analoge Managen eines Fuhrparks schnell an Grenzen stößt, Fuhrparkverantwortliche müssen ihre Flotte in den kommenden Jahren digital strukturieren.“

Hans-Joachim Guth

Das Digitale wird in Zukunft noch stärker den Ton angeben

Viele Fuhrparkverantwortliche haben im letzten Jahr erleben müssen, was es heißt, wenn gewohnte Abläufe mit einem Schlag nicht mehr möglich sind: Persönliche vor-Ort-Termine, Werkstattkontrollen oder Sicherheitsunterweisungen.

Digitale Alternativprozesse waren gefragter denn je. Aber ist es immer möglich alle Fuhrparkprozesse digital abzubilden? Ist es immer sinnvoll, digitale Anwendungen manuellen Abläufen vorzuziehen? Diese Fragen werden zunehmend lauter und müssen von Unternehmen und Fuhrparkverantwortlichen in naher Zukunft beantwortet werden. Bei all dem Fokus, der jetzt auf digitale Fuhrparklösungen gelegt wird, müssen wir aber auch ehrlich sein und sagen, dass der Erfolg bzw. Misserfolg von digitalen Lösungen ganz wesentlich von drei Faktoren abhängig ist:

1. Die äußeren Rahmenbedingungen:

Der Aufbau, die Strukturen sowie die äußeren Einflüsse, die auf einen Fuhrpark wirken, sind sehr unterschiedlich. Eine Software allein wird nie alle Eventualitäten abbilden können.

2. Die interne Organisation:

Nicht alles ist vollständig digitalisierbar, weder im Unternehmen noch im Fuhrpark.

3. Die Skalierbarkeit der Prozesse:

Nicht immer ist es sinnvoll, dass jeder Prozess digitalisiert wird. Eine umfassende Kosten-Nutzen-Analyse sollte vor jeder Softwareimplementierung stattfinden.

Das digitale Management des Fuhrparks ist durch die Coronakrise stärker in den Blickpunkt gerückt. Viele Unternehmen müssen jetzt in die digitale Infrastruktur investieren, Ressourcen und die technischen Rahmenbedingungen aufbauen. Das geht selbstverständlich nicht von heute auf morgen, aber die Dringlichkeit besteht stärker denn je. Die Herausforderung im Jahr 2021 wird sein, diese Um-bzw. Neustrukturierung zu forcieren, die internen und externen Prozesse so weit wie möglich ins Digitale verlegen zu können und damit langfristig die effiziente Verwaltung der Flotte sicherzustellen.

Das Thema Mobilität wird größer gedacht werden

Das Thema Mobilität ist in den letzten Jahren so etwas wie ein geflügeltes Wort geworden. In diesem Jahr wird es allerdings an Bedeutung gewinnen. Mobilität bezieht sich nicht mehr nur auf die Anzahl an Fahrzeugen, die dem Unternehmen zur Verfügung stehen, sondern auch auf die Art und Weise, wie die Mobilität erfolgt. Es geht auch verstärkt um das „Warum“ – die Mobilität selbst wird hinterfragt. Denn wir haben in den Monaten des Lockdowns gelernt, dass nicht jeder Kundentermin vor Ort stattfinden muss, sondern dass auch Video-Meetings eine Alternative sind. Darüber hinaus treten auch die ökologischen Aspekte immer stärker in den Vordergrund, denn die Kosten für Verbrenner steigen kontinuierlich an und beeinflussen so die Unternehmensmobilität.

Auch die Frage, ob wirklich alle Mitarbeiter oder nur bestimmte Abteilungen einen eigenen Dienstwagen benötigen, kommt auf den Prüfstand. Ist eine große Flotte mit personenbezogenen Dienstwagen noch zeitgemäß und wie kann Corporate Carsharing so eingesetzt werden, dass möglichst viele Mitarbeitende davon profitieren können? Oder ist es für Unternehmen vielleicht sogar kostengünstiger, wenn Vielfahrende eine Bahncard erhalten und so ganz auf das Auto verzichten? Das Thema „Sharing“ gehört für viele bereits zum Alltag – wir teilen Ferienunterkünfte, Arbeitsplätze warum also nicht auch Dienstwagen? In Zukunft wird sich das Teilen vor allem im Unternehmenskontext noch erweitern, z.B. auf E-Bikes oder E-Scooter. Und so wird der Gradmesser für eine ganzheitlich ausgerichtete Unternehmensmobilität immer feiner austariert. Das wird einen entscheidenden Einfluss darauf haben, wie wir in Zukunft arbeiten werden – von unterwegs, im Büro oder aus dem Homeoffice.

Elektrofahrzeug an einer Ladesäule

Es führt kein Weg an Elektro vorbei

Nachdem die Bundesregierung die Prämie für den Kauf eines Elektroautos stark angehoben hat und den Ausbau der Ladeinfrastruktur zunehmend fördert, ist der Anreiz auf elektronische Antriebe zu setzen natürlich gestiegen. Dennoch ist bei der Implementierung von Elektromobilität noch viel Aufklärungsarbeit von Nöten. Gerade kleinere Fuhrparks scheuen die hohen Anschaffungskosten und benötigen mehr Startkapital für die Einrichtung einer Ladeinfrastruktur. Auch fehlt an vielen Stellen das Knowhow und eine Softwarelösung, die die Effizienz der E-Flotte gegenüber Verbrennern vergleicht. 2021 werden sich sowohl Händler als auch Softwareanbieter vermehrt auf kleine Fuhrparks, die den Schritt in die Elektrifizierung der Flotte wagen wollen, fokussieren und passgenaue Starterpakete in Kombination mit zusätzlichen Services anzubieten. Auch wir werden dies mit unseren Produkten tun.

Die Beschaffung im Fuhrpark ändert sich weiter

Längst geht es im Fuhrparkmanagement nicht mehr nur um das bloße Verwalten der Fahrzeuge, sprich der Abarbeitung der gesetzlichen Pflichttermine oder die Einweisung der Fahrer, sondern auch um eine hohe Wirtschaftlichkeit. Eine effiziente Fuhrparkverwaltung setzt bereits bei der Beschaffung der Fahrzeuge an. Hier verschenken viele Unternehmen durch langwierige, interne Prozesse bares Geld.

Das Thema Beschaffung wird in diesem Jahr zunehmend online abspielen, Stichwort digitales Autohaus. Der Ansatz ist zwar nicht neu, hat sich bis jetzt allerdings in der Praxis nicht vollständig durchsetzen können. Ein Fahrzeug zu kaufen, ob Dienstwagen oder Privatauto, war ein physisches Ereignis und das konnte eine Online-Bestellung nicht bieten. Das Interesse der Fuhrparks ist aber hier stark gestiegen, sodass Unternehmen diesen Ansatz weiterdenken und optimieren müssen. Tesla ist ein gutes Beispiel, denn der Erfolg des Unternehmens beruht darauf, Risiken einzugehen und neue Ansätze für den traditionellen Autohandel zu liefern.

Das digitale Autohaus

Das digitale Autohaus bietet sowohl Unternehmen als auch Autohändlern große Zeit- und Kostenersparnis: Lange Beratungstermine vor Ort fallen weg, stattdessen recherchiert der Dienstwagenfahrer bzw. der Fuhrparkverantwortliche bereits im Vorfeld mögliche Fahrzeuge. Der nächste Schritt ist auf die speziellen Bedürfnisse der Gewerbekunden einzugehen. Das bedeutet, dass Software-Anbieter und Händler zusammenarbeiten und Lösungen präsentieren müssen, die der Komplexität der Dienstwagenbeschaffung gerecht werden.

Wir bei Carano werden in diesem Jahr unser Geschäft, darauf ausrichten. Wir haben gemerkt, dass viele unserer Kunden gerade in dem Bereich Dienstwagenbeschaffung Unterstützung benötigen.

Wie geht es weiter?

Bei all den bereits erwähnten Themen, dürfen wir nicht vergessen, dass die Pandemie harte wirtschaftliche Einschnitte gebracht hat und viele Firmen nun gezwungen sind, Kosten einzusparen. Ob die Flotten sich dadurch verkleinern werden, bleibt abzuwarten. In jedem Fall wird in diesem Jahr ein noch größerer Fokus auf die Wirtschaftlichkeit der Flotte gelegt werden müssen. Den „Total Cost of Ownerschip“ (TCO), Leasingkosten, die Laufleistung usw. werden deswegen immer wieder auf dem Prüfstand stehen und Fuhrparkverantwortliche werden ihr Budget noch straffer verwalten müssen. Das vergangene Jahr hat uns gelehrt, dass die Fuhrparkbranche sich inmitten eines unumstößlichen Wandels befindet und es auch nicht immer für alle Prozesse einen „Plan B“ gibt. Gewinnen kann man nur, wenn man sich möglichst schnell auf diese veränderten Rahmenbedingungen einstellen kann. Für uns als Softwareanbieter bedeutet das in erster Linie, dass wir agil bleiben. Agil sowohl im Denken als auch in der Entwicklung unserer Produkte.

Auf die neuen Herausforderungen, die das Jahr 2021 mit sich bringen wird.