Mitarbeiter von Carano und weitere Teilnehmer des Carano Fleet Days

Carano Fleet Day: Der Fuhrpark von morgen und wie die Elektrifizierung der Flotte gelingt

Welche Themen bewegen die Fuhrparkbranche? Genau dieser Frage widmete sich unser Carano Fleet Day. Neben der Elektrifizierung von Flotten wurde an diesem Tag auch über die Zukunft des Dienstwagens, Auto-Abos und Mobilitätsbudgets kontrovers diskutiert. Wir haben die wichtigsten Erkenntnisse für Sie zusammengefasst.

Vier Männer an einem Diskussionstisch

Das Dienstwagenprivileg und Mobilitätsbudgets

Marcus Federhoff (Head of Operations der Fleet-Hub GmbH), Benjamin Simon (General Manager bei ISS Energy Services GmbH in der Metropolregion Berlin/Hamburg) und Hans-Joachim Guth (Geschäftsführer von Carano) debattierten im Panel über das sogenannte Dienstwagenprivileg. Dabei handelt es sich um steuerliche Begünstigungen für die private Nutzung eines Dienstwagens. Ein Thema, dass die Meinungen in Industrie, Unternehmen und Politik spaltet. Für die Privatnutzung eines Dienstwagens muss monatlich ein Betrag in Höhe von 1 % des Bruttolistenpreis versteuert werden. Dies stellt allerdings häufig eine Subvention dar, insbesondere wenn der PKW viel privat genutzt wird.

Dass dieser auch in Zukunft ein wichtiger Teil des betrieblichen Mobilitätsmixes bleibt, steht für die Panelteilnehmer außer Frage. Ob es sich dabei für die Mehrheit der Dienstwagenfahrer wirklich um ein Privileg – und nicht eher um ein Arbeitsmittel – handelt, wird hingegen stark bezweifelt.

Vielmehr sollten Unternehmen dafür Sorge tragen, gleichwertige Mobilitätsalternativen für alle Mitarbeiter zur Verfügung zu stellen. Vor allem in Metropolregionen könnten diese dank eines Mobilitätsbudgets zwischen verschiedenen Fortbewegungsmitteln wählen – sei es ÖPNV, Carsharing oder Elektroroller. Doch wie ist der Status Quo in der Branche? Auch wenn Transparenz darüber herrscht, welche Mobilitätsalternativen zur Verfügung stehen, ist eine effiziente Nutzbarkeit in vielen Unternehmen noch nicht gegeben. Hinzukommen die administrativen Mehraufwände, wenn verschiedene Mobilitätsformen kombiniert und über diverse Plattformen abgerechnet werden müssen. Hier kommt es auf Lösungen an, die dies unkompliziert ermöglichen.

CO₂-Ausstoß und Auto-Features im Abo

Auch die Frage, ob sich der CO₂-Ausstoß als Versteuerungsmerkmal eignet, haben die Panelteilnehmer diskutiert. Problematisch ist hier insbesondere die Berechnungsgrundlage. Denn der vom Hersteller angegebene Wert wird oftmals durch die Dienstwagenfahrer überschritten. So kann nur eine individuelle Berechnung angesetzt werden, die wiederum zu internen Mehraufwänden führt. Sinnvoller erscheint es hingegen, eine Drosselung von Höchstgeschwindigkeiten, Hubraum oder PS in der Car Policy festzulegen.
Haben Sie schon Dienstwagen für Ihre Flotte im Auto-Abo erworben? Die Panelteilnehmer sind sich einig, dass dieses Finanzierungsmodell noch nicht im Fuhrpark angekommen ist. Als Ergänzung für den Mobilitätsmix im Unternehmen scheint es jedoch ein geeignetes Mittel. Und auch wer zunächst bestimmte Fahrzeugmodelle oder E-Fahrzeuge testen oder Lieferengpässen entgehen möchte, kann auf ein Abo-Modell zurückgreifen.

Publikum beim Carano Fleet Day

Und wie sieht es mit der Sitzheizung im Abo aus? Autohersteller machen immer häufiger durch Auto-Features im Abo auf sich aufmerksam. Was für den Privatgebrauch spannend erscheinen mag, ist für die Nutzung im Fuhrpark nicht praktikabel. Nachträglich bestellte Features können für den Halter des Fahrzeugs, der den Halterhaftungspflichten nachkommen muss, und den geldwerten Vorteil sogar zum Problem werden.

Unternehmen sollten dafür Sorge tragen, gleichwertige Mobilitätsalternativen für alle Mitarbeiter zur Verfügung zu stellen.

Hans-Joachim Guth – Co-Geschäftsführer, Carano Software Solutions

Elektromobilität bei der BVG

Elektromobilität spielt in der Dienstwagenflotte des größten deutschen Nahverkehrsunternehmens, den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG), eine besonders wichtige Rolle. Mit der Einführung von Fleet+, der Fuhrparkmanagementsoftware von Carano, wurde der Grundstein für deutliche Einsparungen gelegt. Heute ist rund ein Drittel der 450 Fahrzeuge elektrifiziert, bei den PKW sind es nahezu alle. Bis spätestens 2030 soll die Elektrifizierung der gesamten Flotte abgeschlossen sein. Vor allem die geringen Betriebskosten gleichen bereits mittelfristig die hohen Anschaffungskosten von E-Fahrzeugen aus.

Ein Fuhrpark muss laut Heinrich Coenen nicht verwaltet, sondern gemanagt werden. Dabei schaffen Daten die benötige Transparenz und bilden die Grundlage für strategische Entscheidungen. Vor der Umstellung auf Elektromobilität hat die BVG daher den eigenen Fuhrpark einer Machbarkeitsprüfung unterzogen und die Fahrprofildaten analysiert. Wann fährt ein Fahrzeug vom Standort los, wann kommt es dort wieder an und welche Strecke hat es zurücklegt? Dies wird in den benötigen Energiebedarf umgerechnet und auf mögliche Ladezeiten umgelegt. Ein Lademanagement-Systems kann eine Erhöhung der Spitzenlast ausschließen.

Durch ein Pooling-Konzept konnten die Berliner Verkehrsbetriebe ein Einsparpotenzial von 20 % der Poolfahrzeuge verzeichnen. Das System gewährleistet, dass den Beschäftigten immer E-Fahrzeuge mit ausreichendem Ladezustand zur Verfügung stehen.

Ein Mann hält eine Präsentation

Die Transformation der Flotte bei ISS Energy Services

Die aktuelle Zusammenarbeit von ISS und Carano widmet sich der Transformation der globalen Flotte von rund 20.000 Fahrzeugen in über 30 Ländern. Auf Grund lokaler Gegebenheiten und der dezentralen Steuerung hat sich das Unternehmen länderspezifische Ziele zur Elektrifizierung der Flotte gesetzt. In einer ersten Analysephase wurde eine globale Datenbank aufgebaut, die neben einer Bestandsübersicht und der Kategorisierung der Fahrzeuge auch die jeweiligen Länderziele umfasst.

Eine globale Fleet Policy unterstützt die Elektrifizierungsstrategie des Unternehmens. Darin sind u.a. die Nachhaltigkeitsstrategie sowie der CO₂-Emissionsgrenzwert für Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor verankert. Anschließend hat ISS den Fahrzeugbedarf ausgewertet und Aspekte wie Nutzen und Gebrauch, Preis und Werterhalt oder Verfügbarkeit und Auswahl durchleuchtet. Auch im Hinblick auf die Mitarbeitenden hat ISS ebenfalls verschiedene Kriterien betrachtet. Wie viel Mitbestimmung wird ihnen zugesprochen? Gibt es einen Komfortverlust? Wie kann die Akzeptanz erhöht werden? Und wird eine Ladesäule zu Hause bezuschusst? Veranstaltungen, Probefahrten und Testfahrzeuge sollen dabei helfen, dass Thema den Mitarbeitern sukzessive näher zu bringen. Best Practices innerhalb des Unternehmens dienen zur Orientierung und helfen dabei, Prozesse weiter zu optimieren.

Mann vor einem Laptop, der eine Präsentation hält

Kurz zusammengefasst

  • Dienstwagen bleibt auch in Zukunft ein wichtiger Teil des betrieblichen Mobilitätsmixes. Ob es sich für die Mehrheit der Dienstwagenfahrer um ein Privileg handelt, wird bezweifelt.
  • Das Auto-Abo ist noch nicht im Fuhrpark angekommen. Es eignet sich aber dafür, neue Fahrzeug- und Antriebsarten zu testen.
  • Auto-Features im Abo haben im Fuhrpark vermutlich keinen Erfolg.
  • Durch ein Carsharing-Konzept konnten die Berliner Verkehrsbetriebe ein Einsparpotenzial von 20 % der Poolfahrzeuge verzeichnen.