Geschäftsmann schaut auf Uhr

Mobilitätsbudgets – Die bessere Alternative zum personengebundenen Dienstwagen?

Ein altes Thema hat in den letzten Monaten frischen Wind erfahren: gemeint ist das „Mobilitätsbudget“. Alle sprechen darüber, aber nur wenige Fuhrparkverantwortliche setzen es (bisher) in der Praxis um. Warum eigentlich? Denn in Zeiten von remote oder hybridem Arbeiten und der lauten gesellschaftlichen Forderung nach mehr Klimaschutz, kann es sich gerade für Unternehmen lohnen, die Unternehmensmobilität mit Hilfe eines Mobilitätsbudgets so flexibel und nachhaltig wie möglich zu gestalten.

Das große Thema Mobilität stellt sowohl Privatpersonen als auch Unternehmen vor ungeahnte Herausforderungen. Neue Ideen müssen her, möglichst schnell. Eine individuell anpassungsfähige, kostenschonende, nachhaltige und vor allem mitarbeiterzentrierte Mobilität ist gewünscht. Nicht selten werden diese Eigenschaften auch dem Mobilitätsbudget zugeschrieben und so verwundert das Comeback des Konzepts keineswegs. Was ist dran an dem Hype? Kann das Mobilitätsbudget der Schlüssel zu mehr Flexibilität in der Flotte werden?

Infographik Auto Pendler
In Deutschland pendeln mehr als 12 Mio. täglich zur Arbeit.

Was ist ein Mobilitätsbudget und wem nützt es?

Ein Mobilitätsbudget ist ein festgesetztes Budget, das Unternehmen ihren Mitarbeitern zur frei verfügbaren Fortbewegung gewähren. Das bedeutet, Mitarbeitende entscheiden selbst, welches Fortbewegungsmittel sie für den Weg ins Büro oder zum Geschäftstermin nutzen. Öffentliche Verkehrsmittel, die Bahn, Carsharing, E-Bikes oder das Taxi – erlaubt ist, was gefällt und eine schnelle Fortbewegung ermöglicht. Der Gedanke dahinter ist, dass die Mitarbeitenden durch ein Mobilitätsbudget maximale Flexibilität haben, sich im besten Fall für umweltschonende Alternativen entscheiden und der personengebundene Dienstwagen über kurz oder lang an Attraktivität verliert.

Ein Mobilitätsbudget ist für alle Mitarbeitenden im Unternehmen eine Bereicherung.  Es schließt einen größeren Kreis an Personen ein, die sich auf Firmenkosten fortbewegen können oder aufgrund ihrer Position, sogar müssen. Voraussetzung ist, dass das Unternehmen ein fixes Budget für alle Mitarbeitenden festlegt und den Restbetrag zur freien Verfügung stellt. Besonders sparsame Arbeitnehmer, die z.B. auf die öffentlichen Verkehrsmittel setzen, werden hier belohnt. Außerdem schafft der Arbeitgeber zusätzliche Benefits.

Darüber hinaus schafft ein Mobilitätsbudget den Anreiz, vor allem in überfüllten Ballungsgebieten das Firmenauto, wenn vorhanden, stehenzulassen. Die lästige Parkplatzsuche entfällt. Auch steuerlich gesehen ist ein Mobilitätsbudget reizvoll. Nutzt ein Mitarbeitenden seinen Dienstwagen auch für private Fahrten, muss dies versteuert werden. Ähnlich verhält es sich mit dem Mobilitätsbudget, wobei hier die Art und Höhe des Budgets eine Rolle spielt. Viele Firmen versteuern Mobilitätsleistungen unter „Sachbezüge“ und profitieren so von steuerlichen Vorteilen.

Grafik Stau europäischer Großstädte
So lange stehen europäische Dienstwagenfahrer im Stau.

Die Vorteile eines Mobilitätsbudgets auf einen Blick

Für Arbeitnehmer:

  • Anreiz für ein nachhaltiges Mobilitätsverhalten
  • Keine Parkplatzsuche und weniger Stau vor allem im urbanen Raum
  • Mehr Flexibilität

Für Arbeitgeber:

  • Mehr Inklusion im Unternehmen
  • Steuerliche Vorteile
  • Implizites Belohnungssystem für Mitarbeitende
  • Verbesserung des Images
  • Geringere Kosten

Welche Defizite hat ein Mobilitätsbudget?

„Es ist nicht alles Gold, was glänzt“ – das gilt auch für das Mobilitätsbudget. Während die Bereitschaft der Firmen wächst ein dynamisches System für die Mobilitätsregelung zu etablieren, gibt es nach wie vor einige Hürden. Mobilitätsbudgets vor allem im urbanen Raum beliebt, da hier die Auswahl an E-Bikes, Cityrollern und das Netz des öffentlichen Nahverkehrs sehr gut ist. Auf dem Land sieht das anders aus. Hier ist die Mehrheit der Mitarbeitenden immer noch auf ein Auto angewiesen.

Auch am Alter der Mitarbeitenden wird deutlich: Jüngere sind mehrheitlich für ein Mobilitätsbudget, ältere Arbeitnehmer stehen dem Ganzen meist skeptischer gegenüber, da sie sich durch einen festgelegten Mobilitätsrahmen eingeschränkt fühlen. Zu guter Letzt gibt es in jedem Unternehmen Personengruppen, die schlichtweg einen Dienstwagen benötigen, um ihrer Arbeit nachzugehen. Außendienstmitarbeiter und Vertriebler, die regelmäßig vor Ort beim Kunden sind, müssen stets verfügbare Mobilitätsoptionen haben. Auch sie können zwar von einem Mobilitätsbudget profitieren, aber hier es sinnvoll im Vorfeld zu prüfen, welche Fortbewegungsmittel eingesetzt werden können. Flexibilität auf beiden Seiten ist gefragt. Die Ausstattung mit einer Bahncard für Kundentermine, kann dem Mitarbeitenden eine gewisse Flexibilität einräumen. Auch eine Poolingflotte mit E-Fahrzeugen ist denkbar, wobei hier eine stetige Verfügbarkeit und stets ausreichende Ladekapazitäten vorhanden sein müssen.

Business man with bike

Das Mobilitätsbudget – Eine nachhaltige Ergänzung, aber kein Ersatz für ganzheitliche Mobilität

Eine dynamischere Mobilität mit Hilfe eines festgelegten Mitarbeiterbudgets zu ermöglichen, ist ein erster wichtiger Schritt zu mehr Nachhaltigkeit. Aber der ökologische Gedanke allein reicht nicht. Für die erfolgreiche Umsetzung ist ein Umdenken auf allen Ebenen wichtig. Ein Mobilitätsbudget ist schließlich auch ein Stück Kontrollverlust, denn von jetzt an entscheiden die Mitarbeitende über ihre Fortbewegungsoptionen und nicht mehr das Unternehmen.

Die Umstellung von personenbezogenen Dienstwagen erfordert aber nicht nur eine mentale Umorientierung, sondern auch organisatorischen Aufwand. Das sollten Unternehmensführung und Fuhrparkverantwortliche nicht unterschätzen und dementsprechend einkalkulieren. So muss die Car Policy angepasst werden und diese Änderungen müssen ins Unternehmen getragen werden. Eine Aufgabe, die Unternehmensleitung als auch Fuhrparkverantwortliche gleichermaßen tragen müssen. Junge Arbeitnehmer, die nur geringen Wert auf ein eigenes Dienstfahrzeug legen, aber dennoch stets mobil sein wollen, sind mit einem Mobilitätsbudget gut bedient. Auch Kollegen und Kolleginnen, die aufgrund Ihrer Position keinen Dienstwagen hatten, erfahren mit dem Mobilitätsbudget eine indirekte Belohnung. Das Mobilitätsbudget kann und sollte keine gesamte Flotte ersetzen, kann aber als Ergänzung im Fuhrpark angeboten werden. Eine klassische Dienstwagenregelung wird in vielen Unternehmen bestehen bleiben – wenn auch mit weiteren attraktiven Optionen.